Symposium „Designing for positive User Experience“

Am Freitag den 05.12.2014 fand an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart einen Tag lang das Symposium „Designing for positive User Experience“ statt. Rund 220 Teilnehmer kamen an die HdM und lauschten Vortragenden unterschiedlicher Fachgebiete.

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Den Einstieg ins Thema machte Prof. Dr. Marc Hassenzahl von der Folkwang Universität der Künste in Essen. Prof. Dr. Hassenzahl erläuterte die Grundlagen einer Technologiegestaltung, die positive emotionale Erlebnisse ermöglichen möchte. Dabei begeisterte er das Publikum mit vielen Beispielen und brachte so den Zuhörern den bedürfnisorientierten Ansatz näher. Exemplarisch sei das Konzept des interaktiven Bilderrahmens genannt, der das Bedürfnis nach Autonomie am Arbeitsplatz adressiert. Der Bilderrahmen hütet das Geheimnis des Besitzers und zeigt im Normalzustand ein unverfängliches Bild, verbirgt jedoch ein privates Bild, welches dieser nur er über eine Interaktion mit dem Finger auf dem berührungsempfindlichen digitalen Bilderrahmen behutsam freilegen und wieder verbergen kann.

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Im Anschluss eröffnete Dr. Anna Pohlmeyer Assistenzprofessorin an der Technischen Universität Delft ihren Vortrag mit den Fragen: „Mit welcher Technik haben Sie heute schon interagiert?“, „Macht all diese Technik uns glücklich?“, „Wie können Gestalter bewusst für Glück und Wohlbefinden gestalten?“. Damit gab sie dem Publikum die Möglichkeit einen persönlichen Bezug zum Thema herzustellen und stieg elegant in ihr Thema ein: Das Prinzip des Positive Designs. Diesen Ansatz der TU Delft illustrierte sie gekonnt anhand von Beispielen. Das Positive Design fokussiert explizit die Gestaltung, die Möglichkeiten für positive Erlebnisse schafft und setzt sich von dem weit verbreiteten Gestaltungsansatz ab, der Technologie als Problemlöser oder Werkzeug versteht.

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Prof. Dr. Michael Burmester, Professor für Ergonomie und Usability an der HdM, Projektleiter des Projekts Design4Xperience (D4X) und Organisator des Symposiums gab anschließend einen Einblick in das Projekt Design4Xperience. Er präsentierte Ergebnisse einer im Projekt durchgeführten Online-Umfrage, die sich damit beschäftigte,  welche Einstellung Softwareanbieter und –anwender zu Usability und User Experience (UX) haben und welches Verständnis sie von diesen Begriffen haben. An zwei Konzepten zeigte er auf, wie positive User Experience in Arbeitskontexten umgesetzt werden könnte. In Zusammenarbeit mit der D4X-Partner-Firma SIC! wurden Konzepte für positive Erlebnisse im Zusammenhang mit Vertriebssoftware erstellt. Hieraus entstand z.B. die ‚Projektcollage’, die eine neue Form des Produktkatalogs darstellt und die kooperative Projektplanung von Vertriebsmitarbeitern und Handwerksunternehmen ermöglicht.

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Nach diesem Einblick in die aktuelle Forschung, ging es mit zwei Vorträgen aus der Industrie weiter. Den Anfang machte Dr. Peter Schnäbele, Head of Bosch Smart Home Unit bei der Robert Bosch GmbH. Er präsentierte, wie bei der Firma Bosch Gestaltung für positive Nutzererlebnisse konsequent umgesetzt wird. Hierfür stellte er das UX Modell von Bosch vor und zeigte anhand der Customer Journey des Akkuschraubers Bosch IXO auf, dass der Fokus auf das einzelne Produkt nicht ausreicht. Alle Dienstleistungen, die mit dem Produkt verknüpft sind und ein gemeinsames Eco-System bilden, müssen für ein gesamtheitliches positives Erlebnis mitgestaltet werden.

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Foto: Kim Kunze

Ebenfalls eine konsequente Umsetzungsperspektive vertrat Franz Koller, Managing Director der User Interface Design GmbH in Ludwigsburg. Er beschäftigte sich mit dem Thema Industrie 4.0 und verdeutlichte, dass auch hier positive Bedienerlebnisse ein wichtigen Wettbewerbsfaktor darstellen. Franz Koller stellte zudem das Beispiel eines CT Geräts für Kinder vor und demonstrierte, wie auch bei medizintechnischen Geräten positive Nutzer-Erlebnisse (UX) gestalten werden können, wenn wie in diesem Fall die CT-Untersuchung zum Abenteuer auf einem Piratenboot wird.

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Dr. Matthias Peissner vom Fraunhofer IAO und Dr. Sunjung Kim der Universität Tübingen widmeten sich in ihrem Vortrag den Neurowissenschaften. Ihr Ansatz beschäftigt sich damit, wie neurowissenschaftliche Methoden genutzt werden können, um zu verstehen, wie  Gestaltung und Erleben zusammenhängen. Ziel ist es hierbei neurowissenschaftliche Methoden einfach anwendbar zu machen um sie in der Zukunft auch in Industrieprojekten einsetzen zu können. Dr. Kim brachte dem Auditorium die Methoden EEG, fMRTund  fNIRS näher und setze sich mit deren Stärken und Schwächen bei der Messung von positivem Erleben während der Techniknutzung auseinander.

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Den Abschluss des Tages machte der Philosoph Andreas Wolkenstein von der Universität Tübingen. Er verband in seinem Vortrag positive UX mit dem philosophischen Diskurs zum Guten Leben. Er stellte verschiedene Modelle des guten Lebens vor, den Hedonismus, Wunschtheorien und objektive Listen und betonte, dass wir alle Autor unseres eigenen Lebens seien. Er regte an, dass neben allen wünschenswerten Konsequenzen positiver UX auch die Risiken der Manipulation durch positive Erlebnisse nicht vergessen werden dürfen und diskutiert werden müssen.

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Die Vorträge und die regen Diskussionen des Publikums mit den Vortragenden wurde deutlich, dass hier ein neuer und vielversprechender Weg der Technikgestaltung beschritten wird, der Innovationen ermöglicht und das Potenzial hat, das Leben in Freizeit und Beruf ein Stück positiver zu gestalten.

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